KV Aschaffenburg-Land

GRÜNER Kreisverband

Sozialausschuss: Bericht und Antrag
Der neigt sich bereits dem Ende zu, der Kampf für queere Rechte geht weiter. Und so setzt unsere Kreistagsfraktion das Thema auch im Sozialausschuss am 01. Juli auf die Tagesordnung.
 
 
Wir erleben die Atmosphäre in unserem Landkreis als relativ tolerant gegenüber LGBTIQ*. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch bei uns noch Fälle von Queerfeindlichkeit, bzw. fehlender Sensibilität gegenüber queeren Lebensrealitäten gibt.
 
Die rAinBows machen als ehrenamtliche Anlaufstelle für queere Jugendliche vorbildliche Arbeit. Um die queere Community bei uns noch weitergehend zu unterstützen, haben wir unseren Antrag„ Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt im Landkreis
Aschaffenburg stärken“ gestellt.
 
Neben der Schaffung eines auf LGBTIQ* zugeschnittenen Beratungsangebots wollen wir die Sensibilisierung von Fachkräften an Schulen und in sozialen Einrichtungen stärken. Auch Sichtbarkeit zu schaffen, ist wichtig. Deshalb freuen wir uns, dass
Landrat Dr. Legler bereits vor Antragstellung auf eigene Initiative eine Regenbogenfahne für das Landratsamt beschaffen ließ, die dort zum CSD Aschaffenburg am 12.06. zum ersten Mal wehte. Dies zeigt, dass wir uns einig sind, die queere Community im Landkreis Aschaffenburg zu unterstützen.
 
Wir freuen uns darauf, durch unseren Antrag gemeinsam mit den anderen demokratischen Fraktionen einen wichtigen Schritt in diese Richtung zu
machen.
 
Im Sozialausschuss sitzen für die Grüne Fraktion: Madleen Lörzel und Tim Höfler
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madleen.löDiese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
 

Antrag: Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt im Landkreis Aschaffenburg stärken
 
im Namen der Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen stellen wir folgenden Antrag:

Der Landkreis Aschaffenburg beabsichtigt, hier lebende queere (1) Menschen beim selbstbestimmten Ausleben ihrer Identität zu unterstützen und Toleranz im Landkreis zu fördern.
 
Folgende konkrete Maßnahmen werden dabei ergriffen:
 
• Gemeinsam mit den Trägern bestehender Sozialberatungsangebote wird ein Beratungsangebot entwickelt, das gezielt die Bedürfnisse queerer Menschen berücksichtigt. Wichtig ist insbesondere die gute Auffindbarkeit im Internet und die Möglichkeit der zunächst anonymen Beratung. Dabei sind nicht allein Jugendliche in den Blick zu nehmen, sondern auch ältere LGBTIQ*-Personen.
 
• Der Landkreis wirkt darauf hin, dass Fachkräfte in für LGBTIQ* relevanten Bereichen (insbes. Schulen, Jugendamt, aber auch in der Pflege) für die Probleme und Bedürfnisse von queeren Menschen sensibilisiert werden und mögliche Defizite im Umgang mit LGBTIQ* behoben werden. Es wird erörtert, ob hierzu in Zusammenarbeit zwischen Landkreis und Anbieter*innen solcher Fortbildungen ein spezielles Angebot für Einrichtungen im Landkreis Aschaffenburg gemacht werden kann.
 
• Der Landkreis Aschaffenburg setzt sich für die Sichtbarkeit queeren Lebens in der Region ein. Zum CSD in Aschaffenburg, zum internationalen Tag gegen Homo-, Trans-, Bi- und Interphobie und ggf. zu anderen für LGBTIQ* wichtigen Tagen soll an repräsentativen Orten die Regenbogenfahne gehisst werden. Die Anwesenheit von Repräsentant*innen des Landkreises an queeren Veranstaltungen ist zu begrüßen.
 
 
Begründung:

Trotz massiver gesellschaftlicher Fortschritte bzgl. der Toleranz gegenüber queeren Menschen ist für sie das Ausleben ihrer Identität, gerade in ländlichen Regionen wie der unseren, noch immer mit Hürden behaftet. Junge Menschen erleben Diskriminierung dabei vor allem im schulischen Bereich, was häufig auch an der Unbedarftheit der Lehrkräfte im Umgang mit LGBTIQ* liegt (2). Auch an Schulen im Landkreis Aschaffenburg sind uns derartige Fälle von Diskriminierung bekannt. Weniger häufig erfahren queere Menschen Ablehnung im eigenen familiären Umfeld, dafür ist sie hier umso einschneidender. An ein Coming-Out, also das unbeschwerte Ausleben der eigenen Identität, ist in einer homophoben Familie meist nicht zu denken. Nicht zuletzt dürfen bei diesem Thema aber auch die Bedürfnisse älterer LGBTIQ* nicht außer Acht gelassen werden, weshalb es wichtig ist, entsprechende Angebote für alle Altersgruppen zu schaffen und etwa auch in Senior*innenheimen dafür zu sensibilisieren. (3)

Die Staatsministerin für Soziales, Carolina Trautner, hat Ende vergangenen Jahres das Ziel ausgegeben, ein bayernweites Beratungsinfrastrukturnetzwerk für LGBTIQ* aufzubauen und angekündigt, für überörtliche Projekte zur Unterstützung von queeren Menschen Fördermittel bereit zu stellen. (4) Projekte im Sinne dieses Antrags dürften gute Aussichten auf eine solche Förderung haben.

Obwohl wir nach unseren subjektiven Erfahrungen im Landkreis Aschaffenburg eine recht hohe Toleranz wahrnehmen, gibt es auch bei uns immer wieder Fälle von Homo- und Transphobie. In unserem gemeinsamen Streben für ein gutes Miteinander im Kreis muss es uns ein Anliegen sein, dem entgegenzuwirken und, wo nötig, die Lebensumstände für queere Menschen hier zu verbessern.
Daher hoffen wir auf eine wohlwollende Behandlung unseres Antrags.
 
Mit freundlichen Grüßen gez.
 
Tim Höfler und Madleen Lörzel
 
1) LGBTIQ steht für die Anfangsbuchstaben der englischen Wörter „Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Transgender, Intersexuell und Queer“. „Queer“ ist dabei der Oberbegriff für alle von der gesellschaftlichen Norm abweichenden sexuellen und geschlechtlichen Identitäten.
2) Ergebnisse der Studie „Queeres Leben in Bayern“ (https://www.gruene-fraktion-bayern.de/fileadmin/bayern/user_upload/download_dateien_2018/Pressekonferenzen/14-5-2020-Ergebnisse_QueeresLebenBayern_final.pdf; zuletzt abgerufen am 03.05.2021)
3) Stellungnahme des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD) Bayern zur Anhörung „Akzeptanz von LGBTIQ*-Personen in Bayern“ (18/1871) (https://www.lsvd.de/media/doc/424/2019_11_07-stellungnahme-lsvd-bayern-zur-anhoerung_akzeptanz-von-lgbtiq-personen-in-bayern_18_1871.pdf; zuletzt abgerufen am 03.05.2021)
4) Pressemitteilung Beratungsstrukturen für LSBTIQ-Personen in Bayern (https://www.stmas.bayern.de/aktuelle-meldungen/pm2012-280.php; zuletzt abgerufen am 03.05.2021)

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